Alexander Bergmann, Platz 20
Foto: Michael Wolf
Dipl. Lehrer, Freischaff. Künstler, 57,
Mannheim-Jungbusch
bergmann(at)mannheim-begruenen.de
Website
Themen:
- Umwelt
- Kunst
- Kultur
Mitgliedschaften:
- Kulturquer-Querkultur e.V.
- Künstlerinitiative Laboratorio 17
- Geschichtswerkstatt Jungbusch
Interessen:
- Radwandern
- Foto
- Diavorträge
- Ausstellungen
- und … und … und
Auszeichnungen:
- 1976–1989 zahlreiche Auszeichnungen für
- Kulturarbeit und Umweltschutz in Usbekistan
- 2008 Umweltpreis der Stadt Mannheim, Kat. 1
Ich bin zwischen Europa und Asien – am Ural, in einer russlanddeutschen Familie geboren. Wir mussten während des Stalin-Regimes und des Krieges alle 10 Jahren zwangsweise umziehen, einige Familienmitglieder wurden hingerichtet. Als ich 6 Jahre alt wurde, siedelten wir in die neu gegründete Stadt Angren in Usbekistan um. Die lange Hand Moskaus könnte die deutschen und anderen Volksgruppen dort kaum erreichen, und 35 Jahren lang haben wir dort die menschliche und aus der Natur kommende Wärme genossen.
Das größte Braunkohle-Vorkommen in Mittelasien war der Boden auf dem unsere Stadt gebaut war. Und die zusätzliche Wärme kam auch vom Kohlegroßkraftwerk, das den Bedarf pro Tag mit bis zu 40 Waggons Braunkohle befriedigte. Da der Himmel in dieser Region meist wolkenlos war, ersetzte der graue Rauch aus den fünf Kaminen die fehlenden Wolken. Als ich in einem Referat in der Schule vorgeschlagen hatte, dass man den künstlichen Wasserfahl zur Stromgewinnung nutzen könnte, bekam ich von der Literaturlehrerin Lob, aber von der Rektorin Vorwürfe: „Die Partei weiß besser, was zu tun ist. Behalte deine Gedanken in deinem Kopf“. Nach dem Schulabschluss musste ich ein Jahr lang in diesem Kraftwerk als Elektriker arbeiten.
Danach kam das Studium, erst die Kunstakademie in Taschkent, fast parallel dazu ein Fernstudium in Moskau, dann der Wehrdienst. Mit 24 begann ich als Lehrer in der Schule und an der Pädagogischen Akademie, als Raumdesigner zu arbeiten. Danach diverse Ausstellungen in Mittelasien.
Mit Schulkindern organisierte Fahrradausflüge in die Umgebung. Dort haben wir die Natur vom Metallschrott befreit. In den Stadtquartieren haben wir die ungepflegten Flächen mit jungen Obstbäumen bepflanzt. Die tiefe Wunden, die der Mensch unserer Erde verursacht, waren oft Leitmotiv meiner Gemälde als freischaffender Künstler. Einige wurden sogar von der Direktion des Kohle-Tagebaus in Usbekistan für ihre Büroräume gekauft: die Ironie habe die Herren damals wohl nicht erkannt.
Paradox, aber war: schon im 70er Jahren wurde in Usbekistan eine der größten Solaranlagen der Sowjetunion gebaut. Viele Linienbusse in der Hauptstadt Taschkent fuhren mit Gas. Einige Trolleybusse hatten versuchsweise sogar Solarzellen auf dem Dach.
Seit 1993 sind wir in Deutschland. Vom Kaufmannmühle-Ensemble fasziniert, sind wir in den Jungbusch gezogen. Im Jahre 2006 habe sich auch Ideen und Visionen von mir zur Hafenpromenade im Jungbusch entwickelt und wurden zum Teil sogar realisiert. Viele Vorschläge liegen allerdings noch im Schreibtisch. In der Zwischenzeit habe ich zahlreiche Aktionen mit Kinder und Künstler zum Schutz des Gewässers am Verbindungskanal und am Neckar organisiert. Verbunden mit Ausstellungen und musikalischen Auftritten, haben wir die Aufmerksamkeit von Jungbusch- und Nichtjungbuschbewohner, vom Künstler- und Nichtkünstler geweckt. Es freut mich, das es nicht umsonst war, dass sich viel bewegt hat entlang des Kanals: Projekt Container17, die Aktionen von Albert Huber, Aktion der Buschgalerie u.v.m.
Zurzeit sind wir mit Kindern mit einem kleinem Projekt beschäftigt: Wandmalerei und Mosaik im Hof Jungbuschstraße 19 zur Thema „Stadt am Wasser“. Wir arbeiten mit „Strandgut“ aus dem Umfeld der Teufelsbrücke um ein Mosaikaufzubauen.
Gerne würde ich einmal mit einer Gruppe nach Mittelasien fahren um zu zeigen in welche ökologische Katastrophe diese große Region – vom Tjan-Schan Gebirge bis zum Aralsee – manövriert wurde. Die Probleme unseres Planeten reichen vom Jungbusch bis weit nach Mittelasien und darüber hinaus. Es ist allerhöchste Zeit die Umweltkatastrophen zu stoppen und dem Raubbau an der Erde Einhalt zu gebieten.






















