Kinder, Jugend und Bildung
Kinder und Jugendliche brauchen Raum zum Spielen, Lernen und Mitgestalten. Familien verdienen es, in ihrer Erziehungsaufgabe gestärkt zu werden. Frauen und Männer müssen Familie und Beruf vereinbaren können. Der demografische Wandel, der uns leider immer weniger Kinder beschert, birgt auch eine Chance: Die Mittel nicht parallel mit dem Rückgang an Kindern und Jugendlichen zurückzufahren.
Sondern das Geld in die Qualität von Bildungs-, Erziehungs-, Unterstützungs- und Freizeitangeboten zu stecken. Es geht uns also nicht allein um den Versorgungsaspekt, sondern darum, was diese Versorgung beinhaltet und was sie bringt. Das lässt sich im Ergebnis ablesen, zum Beispiel an der Sprachkompetenz, an selbstständigem Handeln, an den Schulabschlüssen und im Engagement in der und für die Gesellschaft. Familie ist, wo Kinder und Jugendliche sind. Familienfreundliche Politik muss die Bedürfnisse der Kinder an die erste Stelle setzen, denn wer etwas für Kinder und Jugendliche tut, hilft gleichzeitig den Familien. Dafür müssen Prioritäten beim Personal und bei den Finanzen gesetzt werden. Investitionen in unsere zukünftigen Generationen müssen Vorrang haben.
Wir fordern:
• ausreichend Betreuungsmöglichkeiten (mindestens 33%) für Kinder unter drei Jahren,
• in jedem Stadtteil mindestens einen nicht-konfessionellen Kindergarten
• Ausbau der Tagesplätze in Kindergärten und flexible Öffnungszeiten
• die Gebührenfreiheit für das letzte Kindergartenjahr ist mittelfristig auf die komplette Kindergartenzeit auszudehnen
• pädagogisch qualifizierte Betreuungsangebote für Schulkinder
• Integration von Kindern mit Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten sowie mit Behinderungen in Regelschule und Regelkindergarten
• Teilhabe von Kindern und Jugendlichen auf allen Ebenen vom Kindergarten bis zum Jugendgemeinderat
• mehr Engagement bei der Integration nicht deutsch sprechender Kinder und Jugendlicher und solchen mit Migrationshintergrund
• einen Jugendtreff mit qualifiziertem Standard in jedem Stadtteil
Mehr Augenmerk auf die frühkindliche Entwicklung
Wenn es um Kinder geht, müssen wir schon vor der Geburt ansetzen. Es stellt sich dabei die Frage, wie Eltern ausreichend informiert, unterstützt und begleitet werden können. Wir brauchen differenzierte wohnortnahe Hilfsangebote mit vertraulichen und qualifizierten personalen Angeboten im Mittelpunkt.
Daher wollen wir die Förderung von Early Excellence Centern. Damit ist die Wandlung von Kindertageseinrichtungen zu einem Kinder- und Familienzentrum gemeint. Sie verstehen sich als Bildungsstätte – aber gewiss nicht als Schule – und öffnen sich nach innen und außen für junge Familien und kooperieren mit einem breiten Kreis von Institutionen sowie Freiwilligen. Diese positive Entwicklung auf dem Weg hin zu flächendeckenden pädagogisch vertretbaren und zeitgemäßen Standards für alle Einrichtungen im frühen Kindesalter werden wir forcieren, kritisch begleiten und mitgestalten.
Mannheim muss sich der Verantwortung seinen Schulen gegenüber stellen
Schulen müssen mehr sein als reine Vorbereitungsinstanzen für den Arbeitsmarkt. Wir setzen uns für die weitere Stärkung der Eigenständigkeit von Schulen auf kommunaler Ebene ein. Dies kann sich allerdings nicht in der Delegation von mehr oder minder kleinen Budgetverantwortlichkeiten erschöpfen.
Schulen brauchen genügend Handlungsspielraum und fachlich fundierte Unterstützung für die konzeptionelle Entwicklung und Evaluation sowie für die Reflexion und Supervision ihrer pädagogischen Arbeit.
Schule kann und muss viel zur Integration und zum Abbau durch Herkunft bedingter sozialer Ungleichheit beitragen. Dafür fordern wir einen verbesserten Zugang der Schulen zu Fachärztinnen/Fachärzte und Therapeutinnen/Therapeuten. Schulsozialarbeit muss in unterschiedlicher Intensität an jeder Schule stattfinden.
Die Mannheimer Grünen waren die Initiatoren der ersten Ganztagesgrundschule in Baden-Württemberg, die 1998 im Jungbusch ihre Arbeit aufnahm. Die jüngsten Evaluierungen zeigen, dass diese ein Erfolg ist. Denn der Übergang auf weiterführende Schulen hat deutlich zugenommen, teilweise konnten sogar Übergangsquoten von knapp 70% erzielt werden. Für eine Schule in einem „sozialen Brennpunkt“ mit einem 90%-Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ist das eine bemerkenswerte Leistung. Den Weg der Ganztagesschulen gilt es weiterzugehen. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass Schulen, die sich im Moment noch einem Ganztagesbetrieb verweigern, ihre Haltung zum Wohle der Kinder verändern. Die Ganztagesschulen sollen als gebundene Ganztagesschulen geführt werden, damit Nachmittagsbetreuung und gesundes Mittagessen gerade auch die erreichen, die es am dringendsten benötigen.
Alle Mannheimer Schulen sollen ein klares Profil herausarbeiten und fortentwickeln, das das jeweilige pädagogische Konzept transparent werden lässt. So lässt sich gut ablesen, welchen Schulen mit besonderen Aufgaben, zum Beispiel bei der schwerpunktmäßigen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, zusätzliche Unterstützung in Form von Personal und Mitteln gewährt werden muss – für die wir uns dann einsetzen werden.
Die Stadt sehen wir in der Verantwortung, energisch an die zuständigen Landesbehörden und an die Landesregierung heranzutreten und zu Kooperation und Offenheit aufzufordern, statt sich in Kompetenzabgrenzung zu beharken.
Bau, Renovierung und Bewirtschaftung der Schulen durch die Privatwirtschaft (PPP-Modelle) lehnen wir weiterhin ab und warnen vor einem schleichenden Rückzug des Staates und der Gemeinden aus einer seiner wichtigsten Pflichten.
Lebenslanges Lernen fördern
Die Zeiten, in denen eine Berufsausbildung ein Leben lang genügte, sind vorbei. Lernen bekommt in der Wissensgesellschaft eine neue Dimension: Es gibt nicht mehr die eine passgenaue, spezialisierte Erstausbildung. Kontinuierliche Weiterqualifizierung ist nötig – ausgerichtet an den Anforderungen der Arbeitswelt, aber auch an den persönlichen Zielen und Interessen. Wir sehen die Kommune in der Pflicht, die verschiedenen Bildungsträger – staatliches System, freie Wirtschaft, Agentur für Arbeit – miteinander zu vernetzen, die freien Träger von Berufshilfe und Qualifikationsmaßnahmen zu unterstützen mit ihnen an der Qualitätsentwicklung / -sicherung zu arbeiten.
Verbessern wollen wir insbesondere die Weiterbildungsangebote für Migrantinnen und Migranten, für Ältere, für Menschen mit geringem Einkommen und geringen Qualifikationen und für all jene, die wieder in den Beruf einsteigen wollen. Öffentlich zugängliche und bezahlbare Weiterbildung für alle muss in Mannheim erhalten und bedarfsgerecht ausgebaut werden. Wir wollen deutliche Vergünstigungen für Einkommens- und Vermögensschwache bei der Stadtbibliothek, der Abendakademie und der Musikschule.
Wir fordern die Verbesserung der Bildungsberatung. Sie muss aktiv und für alle Bildungsphasen institutionalisiert sein. Wir setzen uns dafür ein, dass die Stadt zusammen mit den Wirtschaftverbänden ein Informationszentrum zur Weiterbildung einrichtet. Damit hätten Menschen mit Bedarf und dem Wunsch nach Weiterbildung eine Anlaufstelle – ebenso die Fallmanager vom Jobcenter.
Was die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeht, müssen die Stadtverwaltung und die Eigenbetriebe der Stadt eine Vorbildfunktion übernehmen. Sie müssen Qualifizierungsmaßnahmen anbieten, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu einem gewissen Maße während der Arbeitszeit in Anspruch nehmen können.
Wir streben die Gründung einer Stiftung an, die regional die betriebliche Aus- und Weiterbildung unterstützt.
Spielplätze sanieren und neue Freiräume für Kinder und Jugendliche schaffen
Wir stehen für eine Politik, die Kindern und Jugendlichen genug Freiräume in dieser Stadt schafft: Man lernt ja nicht nur in der Schule. Damit meinen wir Freiräume für spontane und selbstorganisierte Freizeitgestaltung sowie kostenlose, aber dennoch attraktive und qualifizierte Angebote. Wenn eine Stadt mehr Parkhäuser als Spielplätze und Jugendhäuser hat und der Sanierungsbedarf allein bei den Spielplätzen über fünf Millionen Euro beträgt, ist etwas falsch gelaufen. Innerhalb von zehn Jahren wollen wir diesen Stau abbauen. Wir wollen dafür sorgen, dass Kindern und Jugendlichen Spiel- und Erlebnisflächen zur Verfügung stehen, an deren Gestaltung sie mitwirken.






















