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Verkehr und Mobilität


Urbanes Leben ist ohne Mobilität undenkbar: Sich zu Fuß und mit den verschiedenen Verkehrsmitteln problemlos bewegen zu können, ist für die Bürgerinnen und Bürger ein wesentlicher Bestandteil städtischer Lebensqualität. Gleichzeitig wird insbesondere der motorisierte Individualverkehr immer mehr zum umwelt- und klimapolitischen Sorgenkind. Die Emissionen des innerstädtischen Autoverkehrs belasten das Klima sowie unmittelbar vor Ort die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger.

Wir wollen deshalb einen Mix aus Mobilitätsangeboten, der zur Fortbewegung zu Fuß, per Fahrrad und mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) anregt. Mit Carsharing wollen wir eine Form der individuellen Automobilität fördern, die im Vergleich zum privaten Autobesitz Umwelt und Klima schont.

Öffentlichen Personennahverkehr deutlich verbessern

Leider wurde in Mannheim in den letzten Jahren beim ÖPNV mehr rationalisiert als investiert. Das schlechtere Angebot führte zu stagnierenden Fahrgastzahlen – und die wiederum zu weiteren Angebotskürzungen. Das ist der falsche Weg. Unsere Forderungen an den ÖPNV zielen auf eine rasche Angebotsverbesserung und auf die langfristige Verbesserung im Netz und in der Qualität. Das Primat der Kostendeckung – insbesondere bei Betrachtung einzelner Strecken – muss der Vergangenheit angehören.

Unsere wichtigsten Forderungen:

• Verdichtung des Taktes
• Taktung an zentralen Umsteigestellen wie Paradeplatz und Hauptbahnhof
• Einrichtung neuer Haltestellen
• Einführung eines auch außerhalb der Quadrate gültigen Kurzstreckentickets
• Erhalt der Mehrfahrtenkarten
• Einrichtung eines elektronischen Fahrgastinformationssystems in den Fahrzeugen und an den Haltestellen
• Bau neuer Stadtbahnlinien:
- in die Gartenstadt und andere nördliche Stadtteile
- die Querspange vom Lindenhof zum Neckarauer Übergang
• Schaffung eines Fahrgastbeirates, denn die besten Experten sind die Kundinnen und Kunden
• Umbau von Stadtbahntrassen, so dass auch Busse sie befahren können

Wir wollen, dass mehr Menschen die umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Daher setzen wir uns in einem ersten Schritt dafür ein, dass Busse und Stadtbahnen am Wochenende in der Umweltzone gratis genutzt werden können.

Verkehrsmittel besser verknüpfen

Zentral für mehr umweltfreundliche Mobilität ist die bessere Verknüpfung der einzelnen Verkehrsmittel.

Der Hauptbahnhof in Mannheim ist dafür der beste Ort. Dort fordern wir die Schaffung einer zentralen Umsteigestelle zwischen Stadtbahn, Stadtbus und den Zügen des Bahn-Fern- und Nahverkehrs einschließlich der S-Bahn. Dafür ist ein weiterer Bahnsteig für die Stadtbahnen auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Hauptbahnhof notwendig. Außerdem müssen am Hauptbahnhof mehr überdachte Fahrradabstellplätze geschaffen werden.

An allen zentralen Haltestellen des ÖPNV muss eine ausreichende Anzahl überdachter Fahrradständer ebenso selbstverständlich sein wie Carsharing- und Taxi-Stationen in unmittelbarer Nähe. Ebenso fordern wir eine Verbesserung der Übergänge von Bussen zu Stadtbahnen: Wo Haltestellen umgebaut oder neu eingerichtet werden, muss der Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln an denselben Bahnsteigen ermöglicht werden.

S-Bahn ausbauen

Wir fordern die Einführung der S-Bahn auf allen Regionalstrecken im Rhein-Neckar-Raum mit einem integralen Taktfahrplan und insgesamt verbessertem Takt. Wir streben den 15-Minuten-Takt an. Auch bei der S-Bahn halten wir ein Fahrgastinformationssystem und eine Fahrplanauskunft sowohl im Bahnhof als auch in den Zügen sowie über mobile Geräte für geboten.

Dringend geboten sind der Ausbau der Haltestellen SAP-Arena, Seckenheim, Rheinau und Käfertal, der Bau einer neuen Haltestelle zwischen Schönau und Blumenau und der nach Südwesten verschobene Bahnhof Neckarau als Kompaktbahnhof. Alle Haltestellen müssen auf einen besseren Standard gebracht werden, dazu zählen Unterstände und Wartehallen mit Sitzgelegenheiten, eine ausreichende Anzahl überdachter Fahrradständer, Toiletten, Taxistände und Kioske.

Hauptbahnhof ausbauen – Bypass verhindern

Den Bau des so genannten Bypasses und damit eine ICE-Umfahrung Mannheims lehnen wir strikt ab. Der Hauptbahnhof Mannheim muss ICE-Knoten bleiben. Die Stadt Mannheim muss sich nachdrücklich für den Ausbau des Hauptbahnhofes einsetzen.

Auch Fernbusse sind eine umweltfreundliche und preisgünstige Alternative zum motorisierten Individualverkehr. Die Zu- und Ausfahrt des zentralen Busbahnhofs für Fern- und Reisebusse in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs muss allerdings verbessert werden. Dazu ist eine Querspange zur Ausfahrt der Busse von der Heinrich-von-Stephan-Straße zur Reichskanzler-Müller-Straße nötig.

Vorrang für den Fahrradverkehr

Das Fahrrad ist insbesondere in der Stadt ein sehr effizientes Fortbewegungsmittel: Dessen Potenzial für die Nahmobilität in Mannheim wird bei weitem nicht ausgenutzt. Ausgerechnet in der Heimat von Fahrrad-Erfinder Drais jedoch haben es Fahrradfahrer schwer. In anderen Großstädten liegt der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen schon jetzt teilweise bei über 30 Prozent. So streben wir eine Erhöhung des Radverkehrs in Mannheim bis 2015 auf 20 Prozent und bis 2030 auf 40 Prozent an. Als Grundlage muss der jeweilige Anteil der unterschiedlichen Verkehrsmittel am Gesamtverkehr ermittelt werden (so genannter Modal Split). Ein entsprechendes Gutachten muss die Stadt in Auftrag geben.

Unsere wichtigsten Forderungen:

• Schnelle Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans mit den darin vorgesehenen Fahrradwegen
• Schaffung von gut ausgeschilderten durchgehenden Radverbindungen (Radwege), die alle Stadtteile untereinander und mit dem Stadtzentrum verbinden
• Bau durchgehender Radwege entlang des Rings, der Bismarckstraße und der Augustaanlage
• Vorrang für den Radverkehr an Ampeln
• Zweirichtungsverkehr für Radfahrer in allen Einbahnstraßen, in denen das gesetzlich möglich ist
• Einrichtung von Fahrradspuren und Fahrradstraßen
• Schaffung von überdachten Fahrradabstellplätzen an den wichtigsten ÖPNV-Knotenpunkten
• Einrichtung einer gut ausgestatteten Stelle eines Beauftragten für Fußgänger und Radfahrer in der Stadtverwaltung und Einrichtung eines städtischen Arbeitskreises Radverkehr, besetzt mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kommunalpolitik, Verwaltung, Fahrradinitiativen und Umweltverbänden
• Analog zur Stellplatzverordnung für Pkw fordern wir eine Fahrrad-Stellplatzverordnung, damit adäquate Fahrradstellplätze vor Geschäften sowie in Höfen von Wohngebäuden und Parkhäusern geschaffen werden.
• Aktives Marketing für das Radfahren durch die Stadt; Anreize zum Umsteigen durch Prämien und Kampagnen
• Schaffung eines dichten Netzes von Leihradstationen
• Modellversuche für shared space (Straße für alle) in der Innenstadt und in den Vororten

Fußgänger schützen

Zu Fuß gehen verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen und Gesunden. Zu Fuß gehen belebt die Stadt. Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger ermutigen, zu Fuß zu gehen. Fußgängerwege und -zonen und öffentliche Plätze müssen so gestaltet werden, dass sie ausreichend Platz bieten und sie zum Aufenthalt einladen. So genannte Angsträume, zum Beispiel dunkle Ecken, müssen vermieden werden.

Carsharing ausbauen

Das Auto ist nur eine Möglichkeit – und nicht immer die beste –, Wege zu überbrücken. Gerade der Mix unterschiedlicher Verkehrsmittel für unterschiedliche Gelegenheiten ermöglicht großstädtische Mobilität für alle. Ein Baustein ist das Carsharing, also das gemeinsame Nutzen von Fahrzeugen. Ein gutes Carsharing-Angebot benötigt gut erreichbare und attraktive Carsharing-Stationen an zentralen Stellen. Hier muss die Stadt mit all ihren Möglichkeiten dazu beitragen, dass ein dichtes Netz an Stationen mit einer ausreichenden Anzahl Stellplätzen angeboten werden kann.

Autoverkehr vermeiden und lenken

Um Autoverkehr zu vermeiden ist es notwendig, dass Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs auch ohne Auto gut verfügbar sind. Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese führen unmittelbar zu mehr Autoverkehr. Im Interesse einer lebenswerten Stadt wollen wir die Stadtteilzentren zu stärken und dafür sorgen, dass die Versorgung mit den Artikeln des täglichen Bedarfs weitgehend in den Stadtteilzentren gewährleistet ist. Das ist auch im Interesse der Menschen, denen kein Auto zur Verfügung steht. Sie sollen ihre Einkäufe zu Fuß oder mit dem Fahrrad “um die Ecke” tätigen können.

Unsere Forderungen im Einzelnen:

• Tempo 30 wo rechtlich möglich auch in Erschließungs- und Durchgangsstraßen einführen
• Berechnung der Kosten der unterschiedlichen Verkehrsmittel und Berücksichtigung bei Entscheidungen des Gemeinderates
• Erhöhung von Parkgebühren, um Anreize zu schaffen, das Auto stehen zu lassen
• Erweiterung der Umweltzone
• Eine Parallelfinanzierung von Straße und ÖPNV lehnen wir ab; Vorrang muss der ÖPNV haben.
• mindestens zwei autofreie Wochenenden pro Jahr im Innenstadtbereich innerhalb des Rings
• Sperrung von Kunststraße und Fressgasse für Kraftfahrzeuge auf gesamter Länge und Umbau zur Fußgängerzone. Die Zufahrt der Parkhäuser muss gewährleistet bleiben.
• Bis Ende der Legislatur im Jahr 2014 muss die Stadtverwaltung ein Konzept vorlegen, wie sich die Sperrung von Teilen der Quadrate für den Kraftfahrzeugverkehr umsetzen lässt.

Unsere Forderungen zum Straßenbau:

• Die Westtangente muss zur Entlastung von Jungbusch, Neckarstadt und Innenstadt verwirklicht werden. Eine direkte Anbindung an die Südtangente lehnen wir jedoch ab, da hierdurch zusätzlicher Verkehr durch die Stadt geführt würde.
• Die Unterhaltung bereits bestehender Straßen muss Vorrang vor dem Bau neuer Straßen haben.
• keine Rheinquerung bei Altrip

Flughafen schließen

Wir lehnen Kurzstreckenflüge innerhalb Deutschlands ab, weshalb wir für die Schließung des Verkehrslandeplatzes Mannheim eintreten. Bis das politisch durchsetzbar ist, setzen wir uns für eine Ausweitung der Ruhezeiten und ein umfassendes Nachtflugverbot ein. Gegen den Flughafen in Mannheim sprechen unter anderem Sicherheits- und Umweltbedenken, der Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner und das Defizit, das sein Betrieb dem städtischen Haushalt beschert. Die Fahrzeit zum Flughafen Frankfurt/Main beträgt mit dem ICE etwa eine halbe Stunde. Mannheim ist damit optimal an den internationalen Flugverkehr angeschlossen. Das gilt für privat Reisende ebenso wie für Geschäftsleute. Als Alternative zu den Linienverbindungen von Mannheim nach Hamburg, München und Berlin bieten sich die ICE-Verbindungen an. Auch einen Flugplatz auf dem Gelände der Coleman-Barracks im Mannheimer Norden lehnen wir ab.